Judentum
Unter Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des jüdischen Volkes, das sich
selbst als Volk Israel bezeichnet. Das Judentum zählt zu den Weltreligionen; Christentum und Islam haben viele ihrer
Überlieferungen aus dem Judentum übernommen. Die Bezeichnung "Juden" bedeutete ursprünglich "Judäer" und geht auf das Königreich Juda zurück.
Jüdische Religion
Die jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen teilen sich auf in
eine schriftliche (Thora) und mündliche Lehre (Mischna, Talmud, Schulchan Aruch usw.) auf.
Wer ist Jude?
Als Juden bezeichnet das jüdische Recht Menschen, die eine jüdische Mutter haben oder rechtmäßig zum jüdischen Glauben Übergetreten sind.
Verfolgung
Das Judentum ist seit Jahrtausenden häufig religiösen, ideologischen und politischen Anfeindungen und Verfolgungen
ausgesetzt. Einmalig in der Geschichte ist jedoch der Versuch des nationalsozialistischen Deutschlands, das jüdische Volk auszurotten. Im Jahr 1934 wurden 17 Millionen jüdische Menschen auf der Welt gezählt. Sechs Millionen fielen dem Holocaust
zum Opfer.
Jüdische Heimstätte
Nach dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands erfolgte die Umsetzung der zionistischen Bestrebungen und führte 1948 zur internationalen Anerkennung des Staates Israel als jüdische Heimstätte. Der heutige Staat Israel, eine Demokratie nach
westlichem Vorbild, begründet seine territoriale Außen- und Innenpolitik souverän, seine Innenpolitik ist jedoch in einigen
Feldern auch stark religiös geprägt.
Juden heute
Heute leben etwa 14 Millionen Juden in vielen Ländern der Erde, davon sechs Millionen in den USA und fünf Millionen in Israel.
Die Mehrzahl der übrigen verteilt sich auf Kanada, Ungarn, die Ukraine, Frankreich, Argentinien und Russland. In Deutschland entwickeln sich langsam wieder größere jüdische Gemeinden, nachdem das Judentum in Deutschland und in Osteuropa.
Vor allem bedingt durch Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion leben heute wieder rund 120000 bis 140000 Juden
in Deutschland. Die Schweiz hat etwa 18000 jüdische Bürger, Österreich etwa 10000.
Orthodox, progressiv, reformiert, liberal und konservativ
Heute gibt es verschiedene Strömungen des religiösen Judentums. Im wesentliche unterscheidet man orthodoxe und nicht-orthodoxe jüdische Strömungen. Hinter der Bezeichnung nicht-orthodoxen wird auch der Begriff progressiv, reformiert
und liberal gefasst. Konservativ ist hingegen mit dem Begriff konservatives Judentum belegt, einer seit dem 19. Jahrhundert
sich entwickelnden Strömung des Judentums, die eine Stellung zwischen Orthodoxie und dem liberalen Judentum einnimmt.
Der grundlegende Unterschied zwischen orthodoxem Judentum und den nicht-orthodoxen Strömungen beginnt beim
Verständnis der Offenbarung am Berg Sinai (Mosche empfängt die Tora). Das nicht-orthodoxe Judentum versteht diese
Offenbarung nicht als absolut, sondern als einen progressiven (= fortschreitenden) Prozess des Dialoges Gottes mit seinem
Volk, in der Zeit und in den Kulturen.
Religiöse Führung
Jüdische Gemeinden werden geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet. Sephardische Juden sowie die Karäer
bezeichnen ihren geistlichen Leiter auch als Chacham (Weiser). Im Jemen bei den Teimanin ist der Begriff Mori (mein Lehrer) gebräuchlich. Die Gottesdienste werden im allgemeinen von einem Kantor, Chasan, oder allgemeiner gesagt von einem
Vorbeter geleitet; zu ihrer Durchführung wird ein Quorum bzw. (hebräisch) Minjan, d.h. die Versammlung zehn jüdischer Männer, benötigt. Die allgemeine, weltliche Leitung einer jüdischen Gemeinde hingegen liegt bei einem von den Gemeindemitgliedern
zu wählenden Gemeindevorstand.
Sprache
Hebräisch ist die Sprache der ältesten jüdischen Schriften und war Umgangssprache der Juden in der antiken Periode ihrer Unabhängigkeit. Es wurde als Umgangssprache nach Jahrhunderten vom Aramäischen verdrängt. Das Aramäische ist eine
zum Hebräischen sehr ähnliche Sprache, die auch das schriftliche Hebräisch späterer jüdischer Schriftwerke beeinflusst hat.
Einige Passagen in den Schriften des Alten Testamentes wurden schon auf aramäisch verfasst. Jesus und seine jüdischen Landsleute sprachen aramäisch.