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Presse Berichte
Hier findet ihr die Berichte die die Presse über "Die Judenschublade" veröffentlicht hat.

Badische Zeitung vom Donnerstag, 3. November 2005

„Am Jude-Sein mag ich den ,Wow-Effekt‘“

„Die Judenschublade“: Ein Dokumentarfilm aus Freiburg

Schätzungsweise 150000 Juden leben derzeit in Deutschland. Die wenigsten von ihnen tragen Schläfenlocken oder den Davidstern und viele sind jung, da ihre Eltern Anfang der 90er-Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion immigrierten. Nach Jahrzehnten der Isolation hat diese Einwanderungswelle den überalterten jüdischen Gemeinden ungeheuren Zulauf beschert und sie zu den schnellst wachsenden Europas gemacht. Wie aber leben junge Juden im Land des Holocaust?
Wie definieren sie ihre Identität, wie wichtig sind ihnen jüdische Kultur und Religion? Und wie gut fühlen sie sich integriert?

Über ein Jahr lang recherchierten die Filmemacher Margarethe Mehring-Fuchs und Stefan Laur vom Freiburger Verein „Element 3 – Jugend, Kultur, Konzept“ in ganz Deutschland für ihren rund sechzigminütigen Dokumentarfilm „Die Judenschublade“ – und fanden dabei eine faszinierende Bandbreite jüdischen Lebens vor. Nach den Erfolgsstreifen „Zwischen Rap und Ramadan“ und „Fremde Liebe“ war auch dieses Mal wieder die Stadt Freiburg im Rahmen der Aktion „Für eine offene Stadt“ mit im Boot.

„Ich hatte als Nichtjüdin eine Mauer des Misstrauens erwartet, schließlich trage auch ich die ganze deutsche Geschichte auf meinen Schultern. Doch man begegnete uns mit einer unglaublichen Offenheit“, erzählt Margarethe Mehring-Fuchs über ihr aufwändiges Projekt, das sie neben den Filmarbeiten in Freiburg auch nach Berlin, Köln, Frankfurt und München führte. Kontakte liefen über jüdische Gemeinden und Organisationen, die Reaktionen waren überwältigend. „Das Thema scheint völlig angesagt zu sein. Gerade jüdische Jugendliche wollen raus aus dieser Unsichtbarkeit und Stigmatisierung, suchen über den Kontakt eine neue Normalität“, so der Filmemacher Stefan Laur. Bei offener Fragestellung erzählten streng orthodoxe, liberale oder nichtgläubige Juden im Alter von 17 bis 25 Jahren dann auch bereitwillig über ihr Leben, ihre Träume und Gedanken. Denn ganz normale Jugendliche sind sie alle – wenn auch speziell.

„Am Jude-Sein mag ich vor allem den ,Wow-Effekt‘! Es ist einfach eine total spannende Gesprächsgrundlage, wenn ich jemanden kennen lerne“, grinst der in Israel geborene Mike auf der Bühne im Schlossbergsaal des Südwestrundfunks Freiburg. Das Filmteam hat unter dem Titel „Junge Juden in Deutschland“ zu einer Podiumsdiskussion geladen, bei der neben vielen Protagonisten auch illustre Gäste wie Jan Mühlstein, Vorsitzender der Union progressiver Juden, oder Uriel Kashi, Geschäftsführer des Bundesverbandes Jüdischer Studenten sitzen. „Das Judentum ist meine Identität, aber Scharons Politik zu verteidigen macht mir Zahnschmerzen, und ich gehe Diskussionen mittlerweile aus dem Weg, wird doch die Kritik am Staat Israel ganz schnell zum Antisemitismus“, erzählt Lea aus München. Für Dimitry aus Freiburg ist das allerdings kein Thema: Er immigrierte mit seinen Eltern aus der Sowjetunion und genießt vor allem Toleranz und Religionsfreiheit in diesem Land.

Assimilierung ist eine wichtige Option.

Doch fast eine Notsituation sieht Uriel Kashi derzeit, steckt die massiv wachsende jüdische Gemeinde doch noch in den Kinderschuhen und hat durch die Shoah essenzielle Infrastruktur und Intelligenz verloren. Ihm fehlt es an pluralistischer Vielfalt, er wünscht sich mehr Selbstverständlichkeit wie in Amerika. Und interessieren sich junge Juden überhaupt noch für Kultur und Tradition, gibt es nicht auch hier eine zunehmende Assimilierung?

Klar, bestätigen die Jugendlichen auf dem Podium, von denen mancher seit Jahren nicht mehr in die Synagoge geht. Jan Mühlstein sieht das positiv: Gerade das Phänomen der Assimilierung stehe für ein Erwachsenwerden der jüdischen Gesellschaft und sei eine wichtige Option des modernen Menschen. Kein Zweifel, es weht ein neuer Wind! Einen spannenden und längst überfälligen Diskussionseinstieg dafür kann sicherlich auch der Film initiieren.

Marion Klötzer

„Die Judenschublade“: – Premiere am 20. November im Kino Friedrichsbau, Freiburg. http://www.judenschublade.de

Pressebericht Badische Zeitung 03.11.05 als PDF

 

Badische Zeitung 22.11.05

Für ein neues Miteinander

Neu im Kino: Der Freiburger Dokumentarfilm „Die Judenschublade – Junge Juden in D“

„Ich bin Jüdin, und wegen mir soll es jeder wissen, aber wenn es jemand nicht weiß, ist es auch egal. Ich bin Jüdin, aber ich heiße Sharons Politik nicht gut, mein Vater trägt keinen schwarzen Kaftan und ich mache meine Freunde, die so alt sind wie ich, nicht für den Holocaust verantwortlich“ – so eine junge Stimme nachdrücklich und ein wenig rotzig aus dem Off, während die Kamera die Berliner Schriftstellerin Lena Gorelik im pulsierenden Großstadtgetümmel fokussiert.

Ein zielgenauer Einstieg in den Freiburger Dokumentarfilm „Die Judenschublade – Junge Juden in D“, der jetzt mit Politikprominenz in gleich zwei Sälen des Kinos Friedrichsbau Premiere feierte. Über ein Jahr lang zogen die Filmemacher Margarethe Mehring-Fuchs und Stephan Laur durch deutsche Städte und brachten junge Juden und Jüdinnen in so bunter Vielfalt und ungeschminkter Offenherzigkeit vor die Kamera, dass einem über sechzig Minuten lang Herz und Ohren aufgehen.

Denn ein spröder Doku- Streifen ist der Nachfolger von „Rap und Ramadan“ und „Fremde Liebe“ beileibe nicht geworden: Trotz enormen Informationspotenzials agiert der Film mit leichtfüßigem Drive und zeigt eine schillernde, quicklebendige Welt der Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Mit schnellen Schnitten und einem eigens mit den Protagonisten gemeinsam komponiertem Soundtrack (Ro Kuijpers) werden gläubige und nichtgläubige Jugendliche in ihrem Alltag porträtiert, mal mit den Freunden auf dem Sofa lümmelnd, mal im Familienkreis oder schwofend in der Disco.

Ganz normal auf Party – aber mit Davidstern

Doch gemeinsam ist allen Akteuren eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Jüdisch-Sein. Was bedeuten Glaube, Tradition und Kultur im Alltag, wie setzt man sich mit Antisemitismus, Israel und Shoa auseinander und wie lebt es sich in der dritten Generation im Land des Holocaust? „Ich will ganz normal auf Party mit ’ner Davidstern-Kette gehen“, sagt der 17-jährige Dimitry aus Freiburg, den die Kamera weniger später zum JiuJitsu- Unterricht begleitet oder bei witziger Weihnachtsdiskussion mit seiner Freundin zeigt. Überhaupt verquicken sich hier immer wieder Fröhlichkeit und Ernst, knüpft der Film in sensibler Selbstverständlichkeit jüdischen Rap neben Einblicke in die Rabbinerausbildung in Potsdam oder den Holocaust-Gedenktag in der Berliner Oberschule an das Training beim jüdischen Sportclub „Makkabi“. Bei allem Facettenreichtum ist es dem offen-interessierten Blick der Filmemacher zu verdanken, dass „Die Judenschublade“ zum mitreißenden und auch verblüffenden Plädoyer für ein neues Miteinander wird.

Da neben Entimon Berlin, der Jugendstiftung Baden-Württemberg und der Landeszentrale für politische Bildung NRW auch die Stadt Freiburg mit ihrer Aktion „Für eine offene Stadt“ mit im Boot sitzt, hofft man nun auf breite, überregionale Resonanz von Schulen und Kinos (Kontakt: 0761/ 69 66 755).

Ab März 2006 geht die „Judenschublade“ auf Deutschland-Tour .

Marion Klötzer

Ab 24. November täglich um 19 Uhr im Kino Friedrichsbau, Freiburg.

Pressebericht Badische Zeitung 22.11.05 als PDF

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